• Diesterweg-Os

Wie kommt das Wissen in den Kopf?

Fachtag „Gemeinsam Lernen“ mit Stipendiaten-Familien, Lehrern und Kooperationspartnern des Diesterweg-Stipendiums

„Wie kommt eigentlich das Wissen in den Kopf?“: Es war diese Frage einer jungen Diesterweg-Stipendiatin aus Hamburg, mit der Christiane Mettlau ihren Vortrag eröffnete. Mit vielen Fragen band die Wissenschaftlerin Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Kooperationspartnerinnen und -partner des Diesterweg-Stipendiums in ihre Impulse ein und entwickelte sie wie in einem Gespräch. Das kam gut an bei der Fachveranstaltung „Gemeinsam lernen“, zu der das Diesterweg-Stipendium Osnabrück ausdrücklich auch die Absolventinnen und Absolventen mit ihren Familien eingeladen hatten: „Wir wollten allen eine weitere Möglichkeit geben, sich kennen zu lernen und sich über das Lernen und ihre persönlichen Erfahrungen auszutauschen“, sagt Katharina Liebing, die Projektleiterin des Diesterweg-Stipendiums Osnabrück, das seit 2015 von der Stadt und der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung angeboten wird.

Während sich die Erwachsenen vormittags theoretischen Fragen des Lernens im Bohnenkamp-Haus des Botanischen Gartens widmeten, erkundeten die Kinder spielerisch das Gelände drumherum. Am Nachmittag stand das gemeinsame Erleben mithilfe der Grünen Schule auf dem Programm: Erwachsene und Kinder widmeten sich Fragen wie „Wo kommt mein T-Shirt her?“, befassten sich dem Zauber der Gewürze oder erforschten das Geheimnis fleischfressender Pflanzen.

Aber auch der Vortrag von Christiane Mettlau hatte viele praktische Elemente: Vor allem bei Fragen danach, wie Kinder im Alltag zum Wissenserwerb motiviert werden können. Hier eröffnete Mettlau ein Geflecht aus wichtigen Voraussetzungen und fördernden Elementen. Eines, das oftmals unterschätzt werde, sei: Bindung und Gemeinschaft, betonte Mettlau. Und zwar nicht nur, weil der Dialog mit anderen das Gehirn anrege und einmal Gehörtes verfestige. Sondern auch weil Kinder, denen ein Vertrauensvorschuss – im Sinne von „Du kannst das“ – gegeben wird, im Lauf der Zeit ein stärkeres Selbstwertgefühl aufbauen. Lernen sei eben auch eine Frage der Einstellung: Wer Fehler als Möglichkeit sehe, dazuzulernen, gehe offener an Neues heran und neugieriger durchs Leben, als Menschen, die Fehler als Niederlage empfänden. Dies sei eine wesentliche Barriere in der Entwicklung von Potenzialen bei Kindern.

Bei der Förderung von Potenzialen setzt das Diesterweg-Stipendium an. Dieses von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft erstmals 2008 angebotene Programm richtet sich an Viertklässlerinnen und -klässler, die ihre Begabungen aus außerschulischen Gründen nicht vollständig zeigen können. Das Besondere dabei: Im Diesterweg-Stipendium werden die Eltern in das Programm integriert und dabei unterstützt, die Bildungsbiografien ihrer Kinder weiter zu stärken.

Zu dem zwei Jahre währenden Programm gehören Akademietage zu Naturwissenschaften, Musik, Sprache, Literatur, Theater und Kunst. Die Familien unternehmen Ausflüge in Osnabrück und die Umgebung und sind bei Ferienkursen dabei. Außerdem können sie finanzielle Hilfen bei der Anschaffung von Bildungsmitteln erhalten. Konkret unterstützt werden die Eltern beim Übergang ihrer Kinder zur weiterführenden Schule. Um in das Stipendium aufgenommen zu werden, müssen die Kinder von ihren Grundschullehrern vorgeschlagen werden. Die Bohnenkamp-Stiftung hat das Diesterweg-Stipendium nach Osnabrück geholt. Unterstützt wird es nicht nur durch die Schulen der Kinder, sondern auch durch Museen und weitere Bildungseinrichtungen vor Ort. Der Erfolg des Diesterweg-Stipendiums zeigt sich nicht nur in den erfolgreichen Bildungsbiografien der geförderten Kinder, sondern auch darin, dass zehn weitere Städte das Stipendium umsetzen, wie Hamburg, Hannover, Darmstadt, Duisburg – und Osnabrück.

Nach der ersten Fachveranstaltung „Gemeinsam lernen“ sollen weitere solche Angebote geplant werden. Katharina Liebing ist mit dem Tag sehr zufrieden. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von den Eltern, aber auch von den Fachkräften aus Bildungseinrichtungen erhalten. Sie fanden es gut, dass sie ihre tägliche Arbeit nicht nur theoretisch, sondern auch durch die Fragen der Eltern aktuell verorten können.“